Der Hund ist nach der Katze das zweitliebste Haustier der Deutschen. Fast ein Drittel der in 2019 gehaltenen 34 Millionen Haustiere waren Hunde. Insgesamt werden 10,1 Millionen Hunde in Deutschland gehalten, das sind 1,5 Millionen mehr als 2016 (Statista). Was ist bei der Haltung von Hunden zu beachten und wie werden Hunde in Deutschland gehalten?

Der Wolf

Forscher gehen davon aus, dass sich der Hund vor 30 000 bis 15 000 Jahren aus dem Wolf entwickelte. Noch immer herrscht Uneinigkeit, wo genau die Domestikation des Wolfes anfing. Mögliche geographische Ursprünge aus Forschungssicht sind der Nahen Osten, China und Europa. Sicher ist, dass Mensch und Hund eine jahrtausende alte gemeinsame Geschichte haben.

Bewegungsdrang

Ein Wolf legt in freier Natur gut und gerne 20 bis 50 km pro Tag. Die Annahme, dass die Hunderassen von heute einen wesentlich geringeren Bewegungsdrang, als ihr Urvater Wolf haben, ist ein Irrglaube. Denn der Großteil der Hunde – klein wie groß – entstammt Arbeitslinien.

Wie viel Bewegung ein Hund summa summarum braucht, hängt vom jeweiligen Tier ab. In der Regel braucht ein Hund mindestens zwei Stunden Auslauf pro Tag. Die Bewegungsintensität muss an Alter, Kondition, Gesundheit, Körperbau, Rasse und Abwechslung angepasst sein. Generell haben junge Hunde und gut trainierte Hunde einen größeren Bewegungsdrang. Kranke und weniger ausdauernde Tiere sollten nicht überlastet werden. Wird ein Hund beispielsweise immer die gleiche Strecke zur gleichen Zeit Gassi geführt, ist er weniger ausgelastet, als wenn ihm ein abwechslungsreicheres Bewegungsangebot geboten wird.

Ist ein Hund nicht ausgelastet reagiert er nicht selten mit aggressivem Verhalten, übermäßigem Kauen und Graben und / oder Betteln nach Aufmerksamkeit. Wird er langfristig zu wenig bewegt, dann können körperliche Beschwerden, wie Fettleibigkeit, oder gesundheitliche Risiken, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen auftreten. Nichts destotrotz sollte Hunde nicht überanstrengt werden. Ruhephasen und ausreichend Wasser sollten nicht zu kurz kommen.

Lebensleistung

  • kleine Hunderasse bis 15 kg: 10-15 Jahre
  • mittelgroße Hunde 15-40 kg: 10-13 Jahre
  • goße Hunde > 40 kg: 8-12 Jahre

Nach einer Tragezeit zwischen 61 und 65 Tagen wirft eine Hündin im Schnitt drei (kleine Rassen) bis neun (große Rassen) Welpen. Ein Welpe ist ist in der Regel 7 Wochen alt, wenn er seine erste Schutzimpfung bekommt und 8 Wochen alt, wenn er in sein neues Heim umzieht.

Als „Welpe“ wird ein Hund bezeichnet, der zwischen 3 (kleiner Hund) und 11 Monaten (sehr großer Hund) alt ist. Welpen haben einen besonders hohen Anspruch an die Futterqualität, da sie sich im Wachstum befinden.

Im Pubertätsstadium „Junghund“ ist der Vierbeiner zwischen 4 (kleiner Hund) und 12 Monaten (sehr großer Hund) alt, er testet Grenzen aus und wird geschlechtsreif. Ist der Hund ausgewachsen wird das Futter von Welpennahrung auf adultes-Futter umgestellt.

Erwachsen ist ein Hund ab einem Alter von eineinhalb Jahren (kleiner Hund) bis 3 Jahren (sehr großer Hund). In diesem Lebensabschnitt ist sein Revierinstinkt und Schutztrieb voll entwickelt.

Speisekarte

Fleischfresser, Allesfresser oder doch Vegetarier?

Der „Bauplan“ des Verdauungstrakts von einem Hund gleicht dem seines wilden Urvaters Wolf. Ein Wolf schlingt seine Beute ohne intensives Kauen hinunter. Diese Taktik hat nicht nur den Vorteil, das eine geringere Futterkonkurrenz vorliegt – sprich die Beute schwerer streitig gemacht werden kann, sondern auch, dass das Wildtier nicht groß selektiert. Neben den Muskeln des Tieres landen auch Innereien wie mit Rohfaser gefüllte Mägen und Knochen im Magen des Wolfes. Neben lebender Beute ergänzt der Wolf seinen Speiseplan mit Früchten, Gräsern, Wurzeln und Exkrementen.

Der Hund wird von vielen Experten zwischen Fleisch- und Allesfresser verortet und ist damit gewissermaßen eine Grauzone. Trotzdem gibt es immer wieder Halter, die auf eine reinpflanzliche Ernährung für ihren Vierbeiner setzen, denn der Hund ist wie der Wolf kein reiner Fleischfresser. Hier streiten sich in der Wissenschaft die Geister. Fakt ist: Wird ein Hund vegetarisch ernährt, so ist es tendenziell schwieriger den Bedarf an essentiellen Aminosäuren(*) zu decken. Soll ein Hund vegetarisch ernährt werden, geht dies mit einem erhöhten Managementaufwand einher und stellt somit nicht zu unterschätzende Ansprüche an den Halter.

(*)Essentielle Aminosäuren sind all jene Aminosäuren, die dem Körper von außen in Form von Nahrung zu geführt werden müssen, da er sie nicht selbst herstellen kann. Jedes Lebewesen ist auf essentielle Aminosäuren angewiesen (auch der Mensch). Dabei unterscheidet sich das Aminosäurebedarfsmuster von Tierart zu Tierart – sprich jedes Tier braucht unterschiedlich viel von einundderselben Aminosäure. Ist eine Aminosäure im Mangel begrenzt sie das Wachstum und Stoffwechselprozesse beziehungsweise schränkt die Funktionen des Organismus ein.

B.A.R.F. (bones and raw food)
„Knochen und rohes Futter“

Ein Hund frisst per se alle Fleischsorten vom Geflügel, über Kalb, Lamm bis hin zum Wild, oder Pferd. Verfechter des Fütterungsansatzes „B.A.R.F“ füttern ihren Vierbeinern präferiert Frischfleisch, weil sie dieses als die natürlochste Ernährungsform ansehen. Die Tiermedizin sieht diese Fütterungsmethode jedoch durchaus kritisch, da durch rohes Fleisch gefährliche Krankheiten (wie die Aujeszkysche Krankheit) übertragen werden können.
In Punkto Knochen ist vor allem darauf zu achten, dass keine leichtsplittrigen, wie die des Geflügels verfüttert werden, da sie ein großes Verletzungsrisiko bedeuten. Jede Ernährungsmethode sollte im besten Falle ausgewogen sein; reinfleischbasierte Fütterung sollte für eine optimale Bedarfsdeckung mit pflanzlichen Komponenten ergänzt werden.

Eine Futtermittelanalyse für Haus- und Nutztier

Ähnlich wie bei landwirtschaftlichen Nutztieren spielen Rohprotein, Rohfett, Rohasche, Rohfaser und Feuchte des Futters eine wichtige Rolle, die Zusammensetzung des Futtermittels ist auf den meisten Futteretiketten unter „analytische Bestandteile“ gelistet. Dieser Punkt basiert übrigens auf der sogenannten „Weender Futteranalyse“ nach Hennenberg und Stohmann, mit der auch Futtermittel von landwirtschaftlichen Nutztieren bewertet wurden. Dieses System ist die Basis der gesamten Futtermittelanalytilk und Fütterungslehre.

Braucht der Hund ein Rudel?

In einem Wolfrudel in freier Wildbahn leben in der Regel Elterntiere mit ihren aktuellen Welpen und der vorangegangenen Generation Welpen, den Jährlingen, zusammen. Stellenweise werden auch ältere Semester in den Rudeln angetroffen, wie beispielsweise das Elterntier des Muttertieres. Die Rudelgröße schwankt dabeo über das Jahr verteilt und liegt zwischen 5 und 10 Tieren.

Bezogen auf den Hund ist der Mensch besser gesagt DER Mensch des Hundes der Sozialkontakt Nummer eins und damit der wichtigste Kontakt für den Hund. Ob ein Hund ein Rudeltier ist, oder den Hang zum Einzelgänger hat, hängt von Faktoren, wie der Rasse, den gesammelten Erfahrungen und den Haltungsbedingungen ab.

Haltungsverfahren

Jedes Jahr landen rund 80.000 Hunde in deutschen Tierheimen

Presse Peta, Oktober 2012

Die Haltungssysteme im Hundebereich sind vielfältig. Neben dem Wohnungshund, der mit Herrchen/Frauchen auf dem Sofa schmust, oder neben ihm/ihr unter der Bettdecke liegt und dem Zwingerhund, oder Kettenhund liegen viele verschiedene Haltungsformen. Der rechtliche Rahmen zur Haltung von Hunden ist in der Tierschutz-Hundeverordnung (TierSchHuV) festgeschrieben. In der TierSchHuV finden sich allgemeine Anforderungen an das Halten von Hunden, wie:

  • „ausreichend Auslauf im Freien außerhalb eines Zwingers oder einer Anbindehaltung sowie ausreichend Umgang mit der Person, die den Hund hält“ (TierSchHuV, § 2)
  • Wird ein Hund im Freien gehalten benötigt dieser eine Schutzhütte, die an die Größe des Hundes angepasst ist und die der Hund mit seiner Körperwärme eigenständig wärmen kann, darüber hinaus muss ein witterungsgeschützter, schattiger Liegeplatz mit wärmegedämmten Boden außerhalb der Schutzhütte vorhanden sein (vgl. TierSchHuV, §4)
  • § 6 Anforderungen an die Zwingerhaltung enthält konkrete Maßangaben, die bei der Planung eines Außengeheges berücksichtigt werden müssen.
  • die Anbindehaltung von Hunden ist unter der Berücksichtigung von § 7 der TierSchHuV zulässig

Kurzum gibt der Gesetzgeber generell einen groben Handlungsspielraum für den Tierhalter, bis auf die Anbinde- und Zwingerhaltung wird er aber nicht konkret, wie viel Platz einem Hund mindestens in Wohnung oder Haus zur Verfügung stehen muss.

Hundeführerschein

In Niedersachsen ist der sogenannte Hundeführerschein für alle Hundehalter seit Juli 2013 rückwirkend für alle nach dem 1. Juli 2013 angeschafften Hunde verpflichtend. Dabei ist die Hunderasse legitim. Die zweiteilige Prüfung, bestehend aus Theorie und Praxis, werden von Vereinen, Hundeschulen und Tierärzten abgenommen. Prüfungsrelevante Themenfelder sind unter anderem:

  • Hundehaltung
  • Tierschutzbestimmungen
  • Physiologie
  • Leinenführigkeit
  • Grundgehorsam
  • Sozialverhalten

Im praktischen Prüfungsteil muss der Halter unter Beweis stellen, dass er gefährlichen Situationen vorbeugen und den Hund einschätzen kann. Nur, wer diese Sachkundeprüfung erfolgreich besteht, darf einen Hund halten.

Niedersachsen ist bislang Vorreiter in Sachen „Hundeführerschein“. Während in NRW die Sachkundepflicht nur für bestimmte Hunde gilt, ist sie in Bayern freiwillig und wird mit möglichen Hundesteuervergünstigungen belohnt. In Berlin dürfen Sachkundige ihre Hunde auch ohne Leine führen.


3 Praxisbeispiele Haltungssysteme

Jetzt bekommt ihr noch einen Einblick in ein paar anonymisierter Haltungsbeispiele aus der Praxis.

Wie sähe deiner Meinung nach eine optimale Hundehaltung bezogen auf das Tierwohl aus?

Ich bin ein mittelgroßer Hund. Seit meiner 8. Lebenswoche wohne ich bei meinem Herrchen – das sind nun rund 3 Jahre. Ich bin 69 cm groß und 40 kg schwer. Wir wohnen in einer 62 m² Stadwohnung im 3. Stock. Den Sommer über verbringen wir die Nachmittage regelmäßig in Herrchens 1000 m² Pachtgarten. Herrchen und ich drehen morgens und abends für 20 Minuten unsere Gassi-Runde, am Nachmittag fällt die mit 90 Minuten deutlich länger aus. Ich schlafe leidenschaftlich gerne – rund 16 Stunden pro Tag. Am liebsten futtere ich Hühnchen, morgens und abends bekomme ich 400 g Grundfutter und eine halbe Scheibe Käse (ich liebe es), zwischendurch gibt es neben Leckerlis auch Gemüse (Karotte oder Kohlrabi) und Obst (Banane und Apfel). Mein Herrchen sagt, dass ich stürmisch, menschenlieb, dickköpfig, lernwillig, sehr neugierung und aufgeschlossen bin. Wie ihr auf dem Foto seht habe ich eine sportliche Statur.

Ich bin fünfeinhalb Jahre alt, 68 cm groß, bringe 28 kg auf die Waage und gehöre zu einer großen Hunderasse. Bei meinem Frauchen wohne ich ländlich und habe so Haus und Garten und damit 750 zur freien Verfügung. Auch, wenn ich jagdliche Veranlagungen habe, werde ich nicht jagdlich geführt. Täglich habe ich 3 Stunden Auslauf und genieße Kaffeepausen mit Frauchen im Garten. Morgens und abends versorgt mich Frauchen mit Leckereien, die ich alle gleich gern habe.

Ich bin zarte 6 Monate alt und werde zu einer mittelgroßen Hündin heranwachsen (eine Jagdhunderasse). Aktuell bin ich 50 cm groß, aber ich wachse jeden Tag. Mit meinem Herrchen und Frauchen pendle ich zwischen der Stadtwohnung und einem Bauernhof mit 8500 m² Auslauf. Wenn wir in der Stadt sind, dann geht mein Herrchen dreimal pro Tag raus, sodass ich 2-3 Stunden Auslauf pro Tag habe. Ins Jagdrevier begleite ich mein Herrchen 4-mal die Woche und einmal die Woche zur Welpenschule. Auf dem Bauernhof habe ich noch eine Hundefreundin. Meine Leibspeise ist Pansen (Rindermagen), aber ich begnüge mich sonst auch mit meiner Grundration Geflügel.


Literatur:
Die Tierschutz-Hundeverordnung findest du hier.
Ahrens, Sandra (2020): Haustiere in Deutschland, in : Statista, [online] https://de.statista.com/themen/174/haustiere/ [23.12.2020].
Wolf Science Center (o.J.): Aktuelle Forschungsprojekte, in: WSC, [online] https://www.wolfscience.at/de/forschung-am-wsc/forschungsprojekte-/aktuelle-forschungsprojekte/ [23.12.2020].
DBBW (o.J.): Was ist ein Wolfsrudel?, in: Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf, [online] https://www.dbb-wolf.de/mehr/faq/faq-biologie-des-wolfes [23.12.2020].
Huber, Roman (2018): „Sozialkontakt“-Ist der Hund (k)ein Rudeltier?, in Schweizer Hundemagazin, [online] http://hundemagazin.ch/sozialkontakt-%E2%88%92-ist-der-hund-kein-rudeltier-2/ [23.12.2020].
Blawat, Katrin (2013): Der Fremde an meiner Seite, in Süddeutsche, [online] https://www.sueddeutsche.de/wissen/evolution-des-hundes-der-fremde-an-meiner-seite-1.1819650 [23.12.2020].
Isabella (2017): ein Fitter und Gesunder Hund – warum Bewegung so wichtig ist, in vtg Tiergesundheit, [online] https://www.vtg-tiergesundheit.de/magazin/hunde/warum-bewegung-fuer-hunde-wichtig-ist [23.12.2020].
Klingschat, Katrin (2019): Wie alt werden Hunde?, in Stuttgarter Nachrichten [online] https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.wie-alt-werden-hunde-mhsd.8604f3d8-f34b-4847-bfde-aa966cb692be.html [23.12.2020].
B.A., Trappe, Christina (2018): Was fressen Hunde?, in Tiermedizinportal [online] https://www.tiermedizinportal.de/ernaehrung/futtervergleich/hundefutter/was-fressen-hunde/165116 [23.12.2020].
B.A., Fernowka, Klaudia (2018): Alternative Hundeernährung: Den Hund vegetarisch ernähren, in Tiermedizinportal [online] https://www.tiermedizinportal.de/ernaehrung/futtervergleich/hundefutter/alternative-hundeernahrung-den-hund-vegetarisch-ernahren/172517 [23.12.2020].

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2 Antworten

    1. Hey!
      Danke dir für deinen Kommentar und dein Interesse an der Thematik:)
      Meinst du den Platz, oder das Futter und/oder etwas anderes?
      Generell ist es so, dass die Ansprüche eines Tieres auch (natürlich nicht nur!) von der Größe eines Tieres abhängig sind – sowohl im Nutztier-, als auch im Heimtierbereich.
      Liebe Grüße & schön, dass du hier neue Erkenntnisse mitnehmen konntest

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